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» Die Deutsch Langhaar-Zucht heute

 

Die Deutsch Langhaar in der Geschichte
 

Eine kurze Übersicht soll die Eckpunkte der Geschichte dieser wundervollen Katzen darstellen:


um 1900
Zucht von Langhaarkatzen führt vor allem in Großbritannien und Frankreich zur Entwicklung des Persers.
1929
Prof. Dr. Friedrich Schwangart führt über den damals die Katzenzucht bestimmenden "Bund für Katzenschutz und Katzenzucht" in Deutschland eine neue Einteilung langhaariger Rassen ein: Unter dem Gruppennamen "Angora" unterscheidet er Perser und Deutsch Langhaarkatzen, die nun nach Typ und nicht mehr nur nach Farbe klassifiziert werden. Züchter mussten sich entscheiden, ob sie Perser oder DLH züchteten.
1930
Der 1929 ausgearbeitete Rassestandard der DLH wird auf der Berliner Ausstellung des "Bundes für Katzenschutz und Katzenzucht" vorgestellt.
1932
Bereits zwei Jahre nach der offiziellen Rassevorstellung wird der DLH-Kater "Fuchs von der Rheinburg" Bundessieger.
1935 Die DLH wird offiziell vom gleichgeschalteten "Reichsverband für das Deutsche Katzenwesen" in der Langhaarklasse neben Perser und Hl. Birma als eigenständige Rasse anerkannt und zur Zucht zugelassen.
1939 Im Oktober erfolgte schließlich auch die Anerkennung der Deutsch Langhaar unter dem Rassenamen "Borealis" oder "Boreali" in der Confédération Internationale Féline (CIF), der Vorläuferorganisation der Fife, der damals die Societa Felina Italiana, der Cat Club de Paris und die Fédération Suisse angehörten.
nach 1945
Der von 1949 bis 1970 einzige Katzenzuchtverein in Deutschland DEKZV e.V. hebt die von Schwangart eingeführte Einteilung in Perser und DLH auf und führt die alte Bezeichnung "Angorakatze" wieder ein.
1965 Die Angorakatze wird in Perser umbenannt, ohne dass die Unterschiede zwischen DLH und Perser berücksichtigt werden. Die meisten DLH-Zuchtlinien gehen in der Perserzucht auf.
1968
Frau Renate Aschemeier erhält DLH-Zuchtkatzen von einer befreundeten Züchterin und begründet ihre Erhaltungszucht
2005
Eine Gruppe von Züchtern findet sich zusammen, die sich für das Projekt der "Deutsch Langhaar-Zucht" begeistert und nun darum bemüht ist, Schwangarts Idee einer ursprünglichen Langhaarrasse zu verwirklichen.
2009
Frau Aschemeier übergibt mehrere ihrer Zuchtkatzen an die neuen DLH-Züchter.
2011
Erster für die Erhaltungszucht sehr wichtige Wurf von Aschemeier's Bär (Bär von der Wassermühle), dem wohl letzten potenten Kater aus Originallinien, in der Cattery "von Germangora".
2012 Am 29. April wird die DLH von einem internationalen Richtergremium im Rahmen der Internationalen Katzenausstellung des KVL e.V., einem der größten freien Katzenvereine in Deutschland, als eigenständige Rasse anerkannt. Auch auf der am selben Tag stattfindenen Generalversammlung der WCF wurde der Wiederanerkennung mit deutlicher Mehrheit zugestimmt.

 

Die Entwicklung der Langhaarrassen ist auch gut anhand von historischen Bilder zu verfolgen:


Perser aus einem Buch von 1903

Perserkatze von 1907
   

Perser 1928

Perser 1929

Perser 1933

Die Katzen, die Prof.Schwangart in dieser Zeit in Deutschland vorfand, entsprachen zum Teil einem wesentlich ursprünglicheren Typ von Langhaarkatzen als die typischen Showperser. Sie ähnelten von der Kopfform eher den Kurzhaarkatzen, d.h. sie hatten keine stark verkürzte Nase und die Stirn wölbte sich weniger stark.

Die folgenden Bilder zeigen Katzen, bei denen es sich um Deutsch Langhaarkatzen handelt oder die vom Typ her einer DLH entsprechen:


1930

1905
   

1937

1910
   

Deutsch Langhaarkatze
  

1927

Deutsch Langhaarkatze vor 1945
  

um 1925

um 1930
  

  

1928

1937
  

 

 

 

Die Deutsch Langhaar-Zucht heute
 


Zeichnung aus "Rassekatzen züchten", D. Thies (1978)

Heutige DLH-Züchter orientieren sich an den Angaben Schwangarts zum Aussehen und Wesen der Deutsch Langhaarkatze. Nach ihm sollen Perser (Schwangart bezog sich selbstverständlich auf die damaligen Perser) und DLH gemeinsam haben:

  • mittelgroße bis große Katze, gut muskulös
  • breiter Kopf, mit rel. kurzem, breit endigendem Schnauzenteil
  • Ohren gut auseinander plaziert, gerundet (beim Perser: klein)
  • dicke Pfoten mit Büscheln
  • ziemlich kurzer, schön getragener Schweif
  • ausgesprochenes, schmiegsames Langhaar mit Rückenscheitel, Halskrause und behosten Hinterschenkeln

Anders als beim Perser sollen bei der DLH sein:

  • Kopf trapezförmig, Stirn abgeschrägt, nicht vorgetrieben noch emporgewölbt, in den Nasenrücken überfließend oder mit ganz kleiner Stufung in ihn überleitend (kein Stopp!)
  • Nasenrücken gestreckt, gerade oder leicht hakig
  • Schnauze nicht zu kurz
  • Ohren mittelgroß und gerundet
  • Augen maximal eine Augenbreite auseinander, oval bis rund, leicht schräg stehend
  • mittellange Beine
  • Figur etwas weniger gedrungen, lang-rechteckig
  • Bewegungsweise flüssiger
  • Schweif etwas länger

 

Natürlich kann man auch heute nachlesen, was Schwangart in diesem Standard schrieb, aber so ein Standard ist nur insofern hilfreich, als er ganz Grundsätzliches vorgibt. Was aber bedeutet es , dass z.B. der "Nasenrücken gestreckt; gerade oder leicht hakig" sein darf? Solche Beschreibungen lassen viel Raum zu Interpretationen. Deshalb versuchen heutige Züchter aufgrund alter Bilder und Fotografien im Rahmen des Rassestandards ihren Weg zu finden. Besonders wertvoll sind daher die wenigen Zeichnungen, die Schwangart selbst der Nachwelt hinterließ oder Fotos aus alten Katzenbüchern, in denen die Deutsch Langhaar beschrieben wurde. Aus all diesen Hinweisen ergibt sich ein Bild, das ein Züchter von Deutsch Langhaar-Katzen als sein Zuchtziel definiert. Um heutigen Gegebenheiten gerecht zu werden, wurde der von Schwangart aufgestellte Standard an heutige Anforderungen angepasst (KVL, 2012):

Körper:
Die Deutsch Langhaar ist eine große, muskulöse Katze, mit einem langen, rechteckigen Körper. Der Brustkorb ist rund und gut entwickelt, der Hals ist kräftig. Die Beine sind mittellang und muskulös, die großen Pfoten rund, fest und zwischen den Ballen behaart. Der Schwanz ist von mittlerer Länge, am Ansatz dick und verjüngt sich leicht zu einer runden Schwanzspitze.


Historische Ansichtskarte (vor 1945)

Kopf:
Der trapezförmige Kopf mit hoch angesetzter Wangenpartie und stumpfer, kurzer Schnauze ist etwas länger als breit. Das breite Kinn ist mäßig stark entwickelt. Das sanft geschwungene Profil endet in einem mittellangen, gleichbleibend breiten Nasenrücken, der sich leicht römisch wölbt.

Ohren:
Die Ohren sind mittelgroß, leicht schräg und weit auseinander platziert. Sie sind am Ansatz breit und haben eine gerundete Spitze.

Augen:
Die Augen sind oval, groß und offen. Sie stehen leicht schräg und im weiten Abstand zueinander.


Fell:
Die Katze hat halblanges Fell, eine Halskrause und Knickerbocker. Das pflegeleichte Fell ist von glänzender, seidiger Struktur und besitzt Unterwolle. Der Schwanz ist federbuschartig behaart. Tieren, deren Fell sich auf dem Rücken scheitelt, ist der Vorzug zu geben.

Farbvarianten:
Alle Fellfarben sind erlaubt. Die Augen sind einheitlich gefärbt, wobei jede Augenfarbe erlaubt ist.


Fehler:
Zu kurzes Fell, keine Unterwolle und gleichlanges Fell am ganzen Körper sind ein Fehler. Ebenfalls werden ein zu gerades Profil oder ein Stopp als schwerwiegender Fehler bewertet.
 

 


DLH Prototyp (2013)

 

Ausführliche Infos über die DLH, ihre Zucht und viele Fotos finden Sie auf der Infoseite der Deutsch Langhaar-Katze.

 

Autor: Dr. Silke Sandberg